Pfarreiengemeinschaft

Görisried, Kraftisried, Oberthingau, Unterthingau


Pfarrer Günther Weber 1937-2010


„Wenn ich nicht Priester geworden wäre, hätte ich als Beruf Architekt gewählt“. So eine Aussage von Pfarrer Günther Weber, die seinem späteren Wirken sehr nahe kam.


1937 in der Nähe von Nürnberg geboren, während des Krieges nach Schwaben gekommen, in Kempten die Schule danach in Dillingen das Priesterseminar besucht.

Nach der Kaplanstelle in Augsburg, St. Ulrich und Afra, konnte er in Kaufbeuren die neue Pfarrgemeinde St. Peter und Paul gründen. Auch der Titel des Pfarrbrief‘s „Baustelle“ war ein sehr prägnanter Name, der sich durch sein weiteres Priesterleben zog.

Nach jeweils 5 Jahren in Oettingen und in Bad Heilbrunn führte ihn sein Weg 1992 nach Unterthingau. Sein allererster Weg war in die Gemeinde Kraftisried, wo er einen früheren kirchlichen Zwist - durch das Feiern regelmäßiger Sonntags-Gottesdienste auch in deren Kirche - problemlos beseitigen konnte.


Die St. Nikolauskirche – groß, innen grau und ziemlich „ausgeräumt“ – wurde zusammen mit der Künstlerin Anita Rist-Geiger und den verantwortlichen Gremien zu einem wahren Schmuckstück. Der erste Volksaltar aus Stein in der Diözese bekam mit dem neuen Hochaltar, geschaffen von Egon Stöckle, seine neue Bedeutung. Der Tabernakel wurde in die linke Chorseite verlegt und rechts bekam das Evangeliar seinen Platz in einer Nische, ausgestattet mit echtem Goldbrokat aus Damaskus, den er dort selbst gekauft hatte. Der „Schrein des Buches“ in Jerusalem hatte ihn dazu inspiriert.

Die Gemälde von Joh. Schilling erstrahlten in alter Pracht, die 12 Apostel bekamen einen farbigen Hintergrund, die Kreuzwegtafeln wurden mit einem dunkelrot gestrichenen Rahmen versehen. Die Spendenbereitschaft vieler Pfarreimitglieder war großartig. Für die Säuberung der Apostelfiguren wurden sog. Patenschaften übernommen.

Ästhetik, Schönheit und die eigentliche Bedeutung der einzelnen Bereiche waren für ihn sehr wichtig.

Einige wichtige Punkte/Aktivitäten in seiner Seelsorgetätigkeit waren in der 18jährigen Wirkungszeit:

·       Pfarrfeste abwechselnd in allen Ortsteilen

·       Gründung des Frauenbundes

·       Reisen zu Hl. Stätten, besonders nach Israel

·       Reisen und Unterstützung von Bruder Leonardi Kober in der Mission von Tanzania

·       Gesellige Stunden mit allen Gremien, Mitarbeitern, Helfern, Nachbarn …

·       Geschwisterlicher Kontakt zur evangelischen Gemeinde mit den jeweiligen Pfarrern

·       Sein 40 jähriges Priesterjubiläum.


Ab 2007 bewohnte er als emeritierter Priester das gemeindliche Pfarrhaus in Kraftisried und erfreute sich am großen Garten, seinen kleinen Zwerghäschen und seinem Auto - HONDA.

Weiterhin stand er im Dekanat Marktoberdorf seinen Mitbrüdern als Aushilfe zur Seite.


Unerwartet und plötzlich starb er in der Nacht vom 31. Juli 2010, dem Gedenktag des Hl. Ignatius von Loyola. Zwei Tage später hatte er geplant, zu Exerzitien nach Hirschberg zu fahren.


Prodekan Max Hieble und viele Mitbrüder feierten den Auferstehungsgottesdienst und gaben ihm das letzte Geleit. Unter sehr großer Anteilnahme der Pfarrgemeinde, auch aus den früheren Wirkstätten wurde er am Samstag, 7. August 2010. im Priestergrab von Unterthingau beigesetzt.

Als leidenschaftlicher Baumeister hat er daran mitgewirkt, dass wir, die Menschen, uns am Bau des Hauses Gottes als lebendige Steine einbringen.

  Roswitha Böck